Wo wird Doppelte Buchführung verwendet?

Private Körperschaften (insbesondere die Rechtsform GmbH) müssen in Deutschland Doppelte Buchführung betreiben, Einzelpersonen und öffentliche Körperschaften dagegen nicht. Für Personengesellschaften ab einer bestimmten Größe ist ebenfalls die Doppelte Buchführung verbindlich. Vereine müssen zwar nach Handelsrecht keine Doppelte Buchführung betreiben, aufgrund des Vermögensnachweises nach Bürgerlichem Gesetzbuch ("Rechenschaftspflicht") wird die Doppelte Buchführung bei Vereinen trotzdem häufig angewendet.

Die Alternative zur Doppelten Buchführung ist die kameralistische Buchführung oder Einnahmenüberschußrechnung (EÜR). Hier werden nur die laufenden Ausgaben und Einnahmen notiert und es gibt keine Bestandskonten. Es gibt jedoch selbst bei kameralistischer Buchführung Teilbereiche der Buchführung, die über eine reine Einnahmenüberschußrechnung hinausgeht, z.B. die Abschreibungen (Afa Absetzung für Abnutzung). Statt eine Anschaffung über 410 EUR netto direkt in der Ausgabenliste aufzuführen, werden stattdessen jährliche Abschreibungsraten gebucht und das angeschaffte Gerät in einem eigenen Konto gelistet.

Kurioserweise betreibt der Gesetzgeber, die öffentliche Hand, selbst meist keine Doppelte Buchführung, schreibt es jedoch für private Betriebe vor, weil die Besteuerung sich in Deutschland und in den meisten Industrienationen am Erfolg orientiert. Und um den Erfolg korrekt und vor allem periodengerecht zu ermitteln sowie das produktive Vermögen vom privaten Vermögen zu unterscheiden, ist die Doppelte Buchführung erforderlich. Allerdings beginnt in letzter Zeit auch die Öffentliche Hand angesichts der knappen Kassen zögerlich mit Doppelter Buchführung.

Seit der rot-grünen Steuerreform vom Sommer 2000 werden Körperschaften geringer besteuert als natürliche Personen. Es ist nun für manche Personengesellschaften ratsam, zur Kapitalgesellschaft sprich GmbH zu wechseln, denn nur so kommt man in den Genuß der niedrigeren Steuern insbesondere für einbehaltene Gewinne. Was auf den ersten Blick ungerecht erscheint, birgt jedoch schon eine gewisse Logik: nur wenn Vermögensgegenstände einer Firma genau buchungstechnisch erfaßt werden und somit das Eigentum der Firma vom Eigentum des Firmeninhabers abgegrenzt ist, kann überhaupt von "einbehaltenen Gewinnen" gesprochen werden. Die Doppelte Buchführung mit seinen Bestandskonten und der Erfassung von Gegenständen ist somit Voraussetzung für die Steuervergünstigungen. Um eine juristisch klare Trennlinie zu ziehen, hat sich der Gesetzgeber wohl für die Unterscheidung zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften entschieden, und nicht als Kriterium die Anwendung bzw. Nicht-Anwendung einer "vollständigen doppelten Buchführung" gewählt, was wohl kaum praktikabel wäre!